Sonderausstellung im Deutschen Patent- und Markenamt
Zu Fuß, zu Pferde oder bequemer in der Kutsche - das waren jahrhundertelang die verbreiteten Fortbewegungsarten für Menschen, die von einem Ort zum andern wollten. Erst 1817 fuhr der Freiherr von Drais von Karlsruhe nach Kehl und führte der staunenden Öffentlichkeit vor, dass es sehr gut möglich war, auf nur zwei Rädern zu fahren, ohne umzukippen. Seitdem gilt das "Drais?sche Laufrad" als Ursprung aller Fahrräder, die im Mittelpunkt der Sonderausstellung "Patente Fahrradpatente" stehen. Im Rahmen seiner Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen präsentiert das Deutsche Patent- und Markenamt diese Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Patentamt.
Unter dem Motto "Patente Fahrradpatente" machte sich das Deutsche Patent- und Markenamt in München zusammen mit dem Europäischen Patentamt auf die Suche nach einzigartigen, wegweisenden Lösungen aus der Welt des Fahrrads. Fündig wurden sie bei renommierten Auto- und Fahrradherstellern, Forschungsinstituten, Universitäten und Museen. Fahrräder aus verschiedenen Epochen, Modelle, Pläne und Patentschriften sind ebenso zu bewundern wie Plakate, Zeichnungen und Fotografien rund um das Fahrrad.
Jedes der präsentierten Modelle zeichnet sich durch seinen für die jeweilige Zeit innovativen Charakter aus: Präsentiert werden historische, aktuelle und futuristische Fahrräder, die für den alltäglichen Gebrauch oder für Sport und Wissenschaft konzipiert wurden. Das auf Taschengröße zusammenfaltbare Klapprad aus der Zeit des Ersten Weltkriegs ist ebenso vertreten wie das Fahrrad, das problemlos den Berg hinauffährt und in den 80er Jahren als "Mountainbike" seinen Siegeszug bei sportlichen Zeitgenossen antrat, oder das Liegerad, das entspanntes Fahren in ergonomischer Haltung und hohe Geschwindigkeiten verbindet. Fahrradkomponenten wie Rahmen, Gabeln, Bremsen und Schaltungen werden mit den entsprechenden Patenten vorgestellt. Dies verdeutlicht, welche Bedeutung der Schutz technologischer Entwicklungen hat.
Das Fahrrad als ökologisches und sportliches Fahrzeug hat in den letzten zwanzig Jahren einen enormen Zuwachs an Attraktivität bei allen Bevölkerungsschichten gewonnen. Während das Fahrrad über Jahrzehnte vor allem als praktisches Gefährt galt, dessen "Lifestyle"-Wert keine primäre Bedeutung hatte, tritt das Zweirad inzwischen ebenso als Imageträger an wie Luxuskarossen auf vier Rädern. Große Automobilmarken wie BMW, Mercedes-Benz, Porsche oder VW entwickeln laufend Fahrräder, die mit immer neuen Finessen ausgestattet sind - seien es die hydraulischen Scheibenbremsen beim Bike FS von Porsche, die innovativen Faltmechanismen des BMW Bike und des Mercedes Bike oder das extravagante Styling des Mountainbikes von VW.
Der Blick in die Zukunft erlaubt eine Vielzahl von Varianten, über die man heute noch schmunzelt, die aber ausgearbeitet in den Schubladen von Ingenieuren, Wissenschaftlern oder "Fahrrad-Freaks" liegen und nur noch auf ihre serielle Umsetzung warten: Navigationssysteme im Bordcomputer, Funkübermittlung von Daten wie Blutdruck und Sauerstoffaufnahme, Sensoren in sicherheitsrelevanten Bauteilen, die über den Verschleißzustand informieren und vieles mehr. Als Spezialanfertigungen halten diese Erfindungen bereits im professionellen Radsport Einzug. Das visionäre Energiegewinnungssystem, das auf Knopfdruck einen leichten "Rückenwind" zur Verfügung stellt, ist dabei noch Zukunftsmusik. Da bleibt es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Alltags-Fahrräder quasi von allein fahren. Schön, dass es für Nostalgiker noch das gute alte Holland-Rad gibt.
© 2012 Deutsches Patent- und Markenamt | Stand vom 06.02.2012